Historie

Eine Messe mit Geschichte

Qualität, Innovation, künstlerischer Anspruch. Die Idee des Begründers der Messe, Justus Brinckmann (1843-1915), das Gestaltende Handwerk zu fördern, das sich abhebt von minderwertiger Massenproduktion und Einheitsware, ist heute so aktuell wie vor über 130 Jahren.

Als Initiator und erster Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg war es das Ziel Brinckmanns, historische wie moderne Objekte von hohem kunsthandwerklichen Niveau zu präsentieren. Die Schausammlung des Museums sollte der Industrie als Vorbild dienen, den Geschmack des Besuchers bilden und den Nachwuchs anregen zum kreativen Dialog. 1879, zwei Jahre nach Gründung des Museums, bot die Messe jungen Talenten erstmals ein eigenes Forum. Der direkte Kontakt zu einer breiten Öffentlichkeit, die Begegnung mit Kunden, und der Austausch mit Künstlerkollegen machte das Museum für Kunsthandwerker zu einem Ort lebendiger Vermittlung. Bis heute hat sich daran nichts geändert: An die 22.000 Messebesucher sind es, die sich jährlich bei cirka 70 Ausstellern über den aktuellen Stand des Gestaltenden Handwerks informieren.

In den ersten Jahren nur unregelmäßig abgehalten, fand die Messe ab 1926 bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges kontinuierlich statt. 1949 wurde sie wiederbegründet und ist seither ein Highlight im vorweihnachtlichen Ausstellungskalender des Museums. Die MKG Messe Kunst und Handwerk ist damit die älteste noch bestehende Messe eines deutschen Kunstgewerbemuseums überhaupt. Sie zu organisieren, ihren Ausbau und ihre Pflege zu unterstützen, ist seit 1886 das Anliegen des Hamburger Kunstgewerbe-Vereins, der 1969 in Justus Brinckmann Gesellschaft umbenannt wurde; die Messeleitung obliegt seit jeher dem Kustos der Sammlung Moderne des Museums.

Der Grundgedanke der regionalen Handwerks- und Gewerbeförderung, der sich anfangs nur auf den Standort Hamburg bezog, weitete sich Anfang der 1930er Jahre unter Max Sauerland, dem Nachfolger Brinckmanns, auf den norddeutschen Raum aus. Die Spitzenklöpplerin Leni Matthaei aus Hannover war unter den ersten auswärtigen Teilnehmern, oder der Lübecker Grafiker Alfred Mahlau. Ein von Mahlau entworfener Stern, bzw. Eiskristall wurde jahrelang zum verbindlichen Signet der Messe.



Kurt Dingelstedt, Kustos der Moderne seit 1936, hatte einen Blick für Talente: Deutschlandweit suchte er nach den Besten im Kunsthandwerk. Er war es, der die Messe nach dem Krieg auch für Aussteller aus anderen Bundesländern öffnete: Der Keramiker Jan Bontjes van Beek und der Gold- und Silberschmied Wolfgang Tümpel folgten 1950 seiner Einladung. Beide sollten später als Dozenten an die Hochschule für bildende Künste Hamburg berufen werden.


Mit parallel zur Messe stattfindenden Sonderschauen wie „Form, Farbe, Fertigung – Wohnungsgestaltung“ (1956) oder „Glas von Venini, Murano und Orrefors“ (1957) trägt Dingelstedt zu einem neuen Selbstverständnis von Kunsthandwerk bei: Herkömmliche Festschreibungen werden überwunden, neue Schaffensfelder erschlossen. Und er ermöglicht dem Messebesucher einen Blick über die Landesgrenzen hinaus. Impulse aus Italien, vor allem aber skandinavisches Kunsthandwerk, werden stilbildend für das Gestaltende Handwerk der Nachkriegszeit.

Heinz Spielmann, der Dingelstedt 1960 ablöst, führt mit Ausstellungen wie „finlandia – moderne finnische Gebrauchskunst“ (1963) die internationale Orientierung fort. Als Liebhaber und profunder Kenner zeitgenössischer Keramik macht Spielmann das Museum zur ersten Adresse für Sammler moderner Künstlerkeramik: Auf der Messe 1967 präsentiert er erstmalig in Deutschland Werke von Bernard Leach und Shoji Hamada – eine Sensation. Auch die Hamburger Galeristin Charlotte von Finkenstein vertritt in den Jahren 1977-1999 auf ihrem Messestand Künstler unterschiedlicher Schwerpunktregionen, darunter bemerkenswerte Einzelstücke aus Großbritannien, den USA, Australien und Japan.


Spielmann ist es auch, der zur Vergabe einer Auszeichnung anregt, gedacht als Ansporn zur Qualitätssteigerung und als Förderung herausragender Leistungen: 1969 erstmals vergeben, ist der regional verliehene Justus Brinckmann Preis heute eine der renommiertesten Auszeichnungen im Gestaltenden Handwerk in Deutschland.

Nach der gut 25jährigen Amtszeit Spielmanns übernimmt 1987 Rüdiger Joppien als neuer Kustos der Moderne die Messeleitung. Frischer Wind weht durch die Ausstellungsräume: Karin Bablok, Dörte Behn, Stefan Fink, Kap-Sun Hwang, Ulrike Isensee, Beate Leonards, Mascha Moje, Ulla und Martin Kaufmann, Coco Syring & Claudia Eckert, Jan Wege, Hendrike Farenholtz und Astrid Keller sind unter den zahlreichen Neuentdeckungen, um nur die Prämierten der letzten zehn Jahre zu nennen. Auch der Kontakt zu Hochschulen wird unter Joppien intensiviert, die Hochschule für bildende Künste Hamburg, die Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle, das Institut für Künstlerische Keramik und Glas der FH Koblenz in Höhr-Grenzhausen, und die Muthesius Kunsthochschule Kiel sind hier zu erwähnen. Rüdiger Joppien führte die MKG Messe Kunst und Handwerk erfolgreich in ein neues Jahrtausend.

Ab 2011 steht Claudia Banz in der Nachfolge und führt die Messe weiter. Eine Vergrößerung des Teilnehmerkreises und Veränderungen im Auswahlverfahren sollen für eine größere Vielfalt an Gewerken, eine Internationalisierung und stärkere Durchmischung der Aussteller sorgen. Es werden zukünftig Positionen des zeitgenössischen Autorendesigns und ausgewählte Nachwuchsdesigner international renommierter Hochschulen vorgestellt.

Seit 2017 zeichnet Caroline Schröder als neue Leiterin der Abteilung Kunst und Design für die Messe verantwortlich.